Erinnerung an Eduard Hamm

//Erinnerung an Eduard Hamm

Mitte August schrieb der Tagesspiegel über die bevorstehende Ehrung des ehemaligen liberalen Wirtschaftsministers und langjährigen Charlottenburgers Dr. Eduard Hamm durch das Bundeswirtschaftsministerium. Gleich zu Beginn des Artikels wurde dabei behauptet, dass die FDP Hamm bereits vergessen hätte und es nun an der SPD liege, an diesen zu erinnern. Unser stellvertretender Bezirksvorsitzende Helmut Metzner konnte diese Fehldarstellung nicht auf sich sitzen lassen und klärte den verantwortlichen Redakteur darüber auf, dass Hamm zuletzt in der Ausstellung „150 Jahre Fortschritt. Die Liberalen in Bayern“ eine Würdigung fand. Jene Ausstellung wurde durch die Thomas-Dehler-Stiftung veranstaltet und unter anderem, auf dem Bundesparteitag der FDP im Mai 2013 und beim Festakt 150 Jahre Liberale im Bayerischen Landtag gezeigt.

Hamm_EduardEduard Hamm zählte zu den ersten Kritikern des Nationalsozialismus und griff schon 1920/1921 deren „antisemitische Hetze“ an. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Hamm 1933 in den Ruhestand versetzt, woraufhin er sich aus dem aktiven politischen Leben zurück zog. Er stand im Kontakt mit der Wiederstandsbewegung um Otto Geßler und Carl Friedrich Goerdeler. Er sollte im Falle des erfolgreichen Sturzes Hitlers Bayern als Landesverweser die Regierungsgeschäfte in Bayern führen. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Hamm am 2. September von der  Gestapo verhaftet und in das Zellengefängnis Lehrter Straße verbracht. Dort stürzte er sich am 23. September 1944 nach Misshandlungen bei einem Gestapo-Verhör aus dem Fenster.

Eduard Hamm wurde am 16. Oktober 1879 als Sohn eines Oberlandesgerichtsrates in Passau geboren.  Nach einer Karriere als Ministerialbemater gehörte er vom 15. Juli bis zum 14. Oktober 1920 dem bayerischen Landtag an, bis er bei der Reichstagswahl im Juni 1920 zum Abgeordneten gewählt worden war. Er war bis 1924 Mitglied des Reichstages in Berlin. Vom 31. Mai 1919 bis zum 24. Juli 1922 war der Liberale Hamm Handelsminister in den von Konservativen geführten Regierungen des Freistaates. Anschließend, 1922/1923, wechselte er als Staatssekretär in die Reichskanzlei unter Wilhelm Cuno. Vom 30. November 1923 bis zum 15. Januar 1925 war er Reichswirtschaftsminister im Kabinett von Reichskanzler Wilhelm Marx.

Nach seinem Ausscheiden aus der Reichsregierung war Hamm von 1925 bis 1933 geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Industrie- und Handelstages. Darüber hinaus betätigte er sich als Herausgeber der Deutschen Wirtschaftszeitung, in der er wiederholt gegen das Wirtschaftsprogramm der NSDAP argumentierte.

Hamm ist auf dem Münchner Waldfriedhof beigesetzt. 2011 haben die Liberalen ihm an seinem langjährigen Wohnsitz Reit im Winkl einen Gedenkstein gewidmet. In Charlottenburg lebte Hamm in der Berliner Straße 95 IV. Obergeschoss (heute Otto-Suhr-Allee).

2017-07-30T15:08:51+00:00 12. September 2014|Kommentar|