Die Herbstsaison ist eröffnet – Der OV City präsentiert die Liberalen am Karl-August-Platz

//Die Herbstsaison ist eröffnet – Der OV City präsentiert die Liberalen am Karl-August-Platz
ein Bericht von Johannes Jeep
Samstage sind an sich gemütliche Tage. Es ruhig angehen lassen, etwas länger schlafen, ein Kaffee mehr als sonst und den Kindern ein paar Brocken über das Schulleben entlocken. Es sei denn, es geht wieder los –
dass man nach mühsamen Selbstmotivationsritualen vor Tau und Tag Fahnen entrollt, Stände aufbaut und gelbe Tücher davorhängt. Einer hat die neuen Flyer aus der Geschäftsstelle geholt, es gibt ein paar Ballons, die meisten mit dem Logo der Partei. Zum Glück sind ein paar Kinder dabei, sodass nicht auffällt, wie man zwischen rostenden Fahrrädern und alten Straßenpollern bei unbestimmt überhitzten Spätsommergraden die Jacken im Stand versteckt und die größte Bewährungsprobe der westlichen Hemisphäre für City-MUT auf sich nimmt – Wahlwerbung für die FDP zu machen, mitten in Charlottenburg, Karl-August-Platz, Samstag, 09:45 Uhr.
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Das Team ist wild entschlossen, gepanzert gegen die Zeugnisse von Gleichgültigkeit und Ablehnung, hat sich in mehreren Abenden die Details der eigenen Aufgabe vor Augen geführt, man will präsent sein, sich zeigen, ein lautes „uns gibt es noch“ in die Welt schreien und Tuchfühlung mit dem Wähler von morgen, genauer gesagt vom 18. September 2016 aufnehmen. Was sagt er/sie, wie steht es, Frust, Lebensqualität, Einkaufsrausch oder Frühstücksflucht, Smalltalk oder Besserwisserei? Wir sind offen für alles.
Dann kommen sie. Marktschreier und -stürmer, behenden Schrittes im Tiefflug zum Gemüsestand, Rolle rückwärts zum Obstbauern aus Werder und dann der Doppellutz zum Biofleischanbieter. Dazwischen suchen sie einen Slot beim neuen Rieslingladen, bestellen einen Cappuccino, übersehen jede Form von Straßenwerbung und Standkultur, verabreden sich, telefonieren, feilschen um die schönsten Tulpen. Kaum einer hat Zeit, alle sind noch gejagter als 2013, und scheuer, als befürchteten sie, von der Google Efficiency Control beim vermeintlich datenneutralen Marktgang erwischt zu werden.
Natürlich sind da ein paar Highlights. Der Verdichef Bs., etwas zu braun gebrannt für die Jahreszeit, legt Wert darauf, von den liberalen Zettelverteilern erkannt zu werden, um dann vernehmlich „überflüssig“ in sich hinein zu murmeln. Prof. Schoeps, die nahe Kreuzung mehrfach in der längst möglichen Diagonale überquerend, gibt sich historisch überparteilich, auch seine hübsche Partnerin kann ihm keinen Blick auf den gelben Sonnenschirm entlocken. Und wir sehen den kämpfenden Reporter Ulrich Meyer, der sein Akte-Team in die Untiefe morgendlicher Betroffenheitsberichterstattung hinabzieht, aus der sich alle nur mit gemeinsamen Nikotingenuss nach oben retten können. Auch er traut sich nicht zu uns.
Zwischendrin springen wir die vorbei düsenden Passanten mit leichtem Material an. IMG_295394194996348
Die farbenreichen Handzettel lassen sich gut verteilen. Angenehmes Transaktionsformat. Alle Kinder wollen einen Ballon. Wenig Distanz von deren Eltern. Kugelschreiber gehen, auch die FDP-Sticker. Ansonsten viel unbefangene Aufgeschlossenheit. Klar, einige Nörgler verweigern sich. Aber Schadenfreude und Häme bleiben die große Ausnahme. Wir nehmen überwiegend nette, sportlich anerkennende Kommentare wahr. Fragen, Überraschung, auch Freude. Für manche scheint mit unserem gelbfarbigen liberalen Erscheinen ein Bild wieder komplettiert zu sein. Man äußert sich zu Zielen, Programm, Personen und einige Angesprochene wollen gerne die Kandidaten sehen. Nach dem Vormittag fühlt man sich als Wahlkämpfer wieder wie „zurück gekommen“, der Platz hat uns wieder, der Markt braucht uns. Gefühlte Willkommensquote über 15 Prozent. Danke für die Organisation, Felix.
Die Jagd ist eröffnet.
2017-07-30T15:08:44+00:00 9. November 2015|OV Charlottenburg-City|